Abschied von Martin Roßbach
Würdigung für Martin von Jolanta Merten
Wenn man Martins offiziellen Lebenslauf liest, erfährt man viel über seine Stationen, seine Aufgaben, seine Verantwortung im Bistum.
Aber wer ihn wirklich kannte, weiß: Das war nur ein Teil von ihm.
Martin hat Kirche nicht einfach weitergeführt – er hat sie gestaltet.
Mit Licht, mit Musik, mit Technik, mit Ideen.
Er war ein Profi in Sachen PowerPoint – und das meine ich nicht beiläufig. Er konnte mit Bildern, mit Atmosphäre, mit durchdachtem Einsatz von Licht und moderner Musik Räume verändern. Sogar eine Nebelmaschine kam zum Einsatz. Nicht um Effekte zu machen, sondern um Menschen zu berühren.
Er wollte, dass Kirche lebendig ist.
Und einen Satz konnte er überhaupt nicht ausstehen:
„Martin, das war schon immer so.“
Das war für ihn kein Argument. Glaube war für ihn nichts Starres. Er durfte sich bewegen. Er durfte neu gedacht werden. Und er durfte Menschen dort abholen, wo sie stehen.
Besonders spürbar war das im Triduum.
Diese Tage hatten durch ihn eine eigene Tiefe. Fußwaschung, besondere Gestaltung, Musik, Licht – es war anders. Und es war emotional.
Ein Karfreitag ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Nach der Messe fragte er mich, wie ich es fand. Ich hatte Tränen in den Augen. Mehr brachte ich nicht heraus.
Er wusste, dass diese Tränen bedeuteten: Es hat berührt. Es hat getragen. Es war genau richtig.
Er verstand ohne viele Worte.
Er hatte dieses feine Gespür für Menschen – für das, was zwischen den Zeilen geschieht.
Er war überhaupt ein Mensch mit einem unglaublichen Gespür.
Er konnte zuhören. Wirklich zuhören.
Und oft fand er genau die richtigen Worte – nicht laut, nicht belehrend, sondern ruhig und treffend.
Er hat viel bewegt: Firmvorbereitung, Freizeiten, Wallfahrten, Jugendaktionen.
Er hat das Rosenkranzgebet in der Gemeinde wieder neu belebt.
Er war in Gremien aktiv, hat mit dem Verwaltungsrat gearbeitet, diskutiert, gerungen, vermittelt.
Er hatte keine Angst vor Auseinandersetzungen. Im Gegenteil – er war bereit, Dinge auszudiskutieren, wenn es um Überzeugungen ging. Nicht um Recht zu behalten, sondern um gemeinsam weiterzukommen.
Und jenseits all dieser Aufgaben war er einfach Martin.
Er war Gastgeber.
Sein Garten wurde zum Treffpunkt. Am Lagerfeuer saßen wir oft bis tief in die Nacht, haben geredet, gelacht, diskutiert – über Gott und die Welt. Es gab kaum ein Thema, über das man mit ihm nicht sprechen konnte.
Wir haben im Winter gegrillt.
Sind zusammen verreist – nach Rom, Wien, Polen, Belgien.
Er sagte einmal, der Urlaub in Rom sei der beste gewesen, den er je hatte.
Wir haben Karneval gefeiert, Silvester als Strandparty bei ihm, sind zu Konzerten gegangen, zu Fußballspielen, zu Veranstaltungen – immer unterwegs, immer mit einer Geschichte auf Lager.
Und am 11.11., zu seinem Namenstag, lud er uns ein.
Dann gab es Martinsgans mit Klößen und Rotkraut. Mit viel Liebe zubereitet. Das war keine Nebensache. Das war Gemeinschaft.
Er war musikalisch, kreativ – hat sogar einen eigenen Song mit Matthias Scherer komponiert und ihn für meine Hochzeit noch einmal ganz persönlich umgeschrieben. Er hat diese Hochzeit mitgeplant, mitgedacht, mitgestaltet. Technik und Herz gehörten für ihn zusammen.
Er war Patenonkel meiner Tochter Lea.
Und für meine Kinder war er nicht nur ein guter Freund.
Er war Familie.
Er war zur Kommunion meiner älteren Tochter Emily eingeladen – am 18. April. Er wollte kommen.
Dann kam die Krankheit.
Und Emily fragt bis heute, ob Onkel Martin kommt oder ob wir ihn besuchen können, wenn es ihm besser geht.
Weil er für sie dazugehört hat.
Weil er bei wichtigen Momenten dabei sein sollte.
Er hat sogar einmal Heiligabend mit uns verbracht.
Und wer Heiligabend miteinander teilt, der teilt mehr als nur einen Abend.
Martin war kein lauter Mensch.
Er musste nicht im Mittelpunkt stehen.
Aber er hat Räume geöffnet – technisch, menschlich, geistlich.
Er hat Spuren hinterlassen. In dieser Gemeinde. In unserer Familie. In unseren Herzen.
Und wenn wir an ihn denken, dann tun wir das mit Dankbarkeit.
Mit einem Lächeln über all das, was wir mit ihm erleben durften.
Und mit dem Wissen, dass er mehr war als ein Gemeindereferent.
Er war Martin.
Und er fehlt.