„Ich könnte mir kein schöneres Ehrenamt vorstellen“

In unserer Pfarrei arbeiten viele Menschen im Hintergrund - ehrenamtlich, mit Leidenschaft, aber oft im Stillen. Das möchten wir ändern: Mit unserer neuen Rubrik "Gesichter der Pfarrei". Für Folge 1 haben wir das Team der Katholischen öffentlichen Bücherei (KöB) Marienrachdorf besucht - und waren nicht nur über die Vielzahl der Bücher erstaunt.

Wer montags zwischen 16:30 und 18:00 Uhr ins obere Stockwerk des alten Pfarrhauses in Marienrachdorf geht, trifft auf Penélope Ruiz, Rita Girmscheid und Tochter Judith – und auf Regale voller Bücher. Das Besondere an diesem Ort ist aber die einladende Atmosphäre, die das Team der Katholischen öffentlichen Bücherei geschaffen hat. Denn die KöB ist mehr als ein Ort, an dem man Bücher ausleiht. Sie ist ein Treffpunkt für Jung und Alt – und für gute Gespräche.

Dass es diesen Ort überhaupt gibt, ist Rita Girmscheid zu verdanken. Sie übernahm die Leitung der Bücherei 1992, nachdem sie ein Jahr zuvor von Pfarrer Kohlhaas ins Leben gerufen wurde. Zunächst mit einem fahrbaren Bücherregal, das im Untergeschoss des alten Pfarrhauses zu den Öffnungszeiten hin und hergeschoben wurde. Provisorisch, aber mit Spaß und Überzeugung, den Menschen das Lesen näherzubringen. Und die nahmen das Angebot an. Bis heute kam Regal um Regal hinzu, das Sortiment wuchs, ebenso wie die „Stammkundschaft“. Bis 2025 leitete Rita die KöB, also fast drei Jahrzehnte lang. Immer mit Unterstützung durch Tochter Judith. Mit ihrer Lesefreude, die sie schon von klein auf entwickelte, unterstützte sie ihre Mutter von Beginn an mit neuen Ideen.

Mitte 2025 hat Penélope Ruiz die Verantwortung übernommen. Den Begriff „Leitung“ mag sie allerdings nicht besonders: „Wir verstehen uns als Team, und so planen und handeln wir auch.“ Und ihre Lese-Leidenschaft geben sie an den gesamten Ort weiter.

Die Hauptarbeit fällt außerhalb der Öffnungszeiten an

Zwei Stunden pro Woche – das klingt überschaubar. Doch wer denkt, damit sei der Aufwand beschrieben, irrt sich gründlich. Neue Bücher müssen bestellt, erfasst und eingearbeitet werden. Alte Bücher gilt es auszusortieren. Das Karteisystem will gepflegt sein. Säumigen Ausleihern läuft man nach. Dazu kommen Recherchearbeit, ein ständiger Blick auf den Buchmarkt und natürlich: die Räume in Ordnung halten. Seit Juli 2025 hat das Team dafür endlich eigene Räume – ein echter Gewinn. Früher musste nach jeder Öffnungszeit alles zur Seite geräumt werden. Das fällt jetzt weg. Die Erleichterung merkt man dem Team an. Im vergangenen Jahr steckten die drei zusammen rund 700 Stunden in die Bücherei. Ehrenamtlich, versteht sich.

Das Angebot heute ist beachtlich: Sachbücher und Belletristik für Erwachsene, Kinder- und Jugendliteratur in großer Auswahl. Krimis und Thriller für alle Altersklassen und Vorlieben. Und manche Klassiker stehen seit Jahrzehnten im Regal – „Was ist Was“ etwa erfreut sich ungebrochener Beliebtheit als lehrreiche Kinderbuchreihe.

Interessant ist, wer kommt: Tatsächlich sind es mehr Erwachsene als Kinder. Grundschulkinder kommen regelmäßig – dann, so beobachtet das Team, verschwinden viele für ein paar Jahre. „Wahrscheinlich holen sie Social Media und andere Medien ein“, sagt Penélope mit einem Schmunzeln. „Aber irgendwann kommen viele wieder.“ Das Lesen lässt einen offenbar nicht ganz los. Die Besucher sind dabei keine stillen Abnehmer. Sie empfehlen Bücher, geben Rückmeldung, diskutieren. Das ist für das Team Gold wert: „Letztlich können wir ja nicht alle Bücher selbst lesen.“

Bücher leihen oder kaufen: Lieferung innerhalb weniger Tage

Wer in die KöB kommt, bleibt manchmal einfach sitzen. Man redet, trinkt einen Kaffee, spricht über das zuletzt Gelesene. Beim Buchcafé – einer der regelmäßigen Veranstaltungen, die das Team organisiert – ist das sogar ausdrücklich erwünscht. Der Andrang gibt recht: Das Format läuft sehr gut. Gelegentlich werden dabei auch aussortierte Bücher verkauft. Bücher, die noch gut sind – nur eben nicht mehr ins Sortiment passen.

Und noch ein Angebot verdient mehr Aufmerksamkeit, als es bisher bekommt: Die KöB kann nahezu jedes lieferbare Buch bestellen. Kostenfreie Lieferung, Buchhandelspreise, Lieferzeit meist zwei Tage – und zehn Prozent des Erlöses fließen direkt der Bücherei zu. „Wir bringen Bücher sogar zu den Leuten nach Hause, wenn sie keine Zeit haben, sie abzuholen“, sagt Penélope. Ein Angebot, das Amazon alt aussehen lässt. Wenn man es nur nutzen würde.

Rita bringt es am Ende für alle den Punkt: „Ich könnte mir kein besseres Ehrenamt vorstellen.“

Man glaubt den Dreien.

Welches Gesicht kennen Sie?

Kennen Sie jemanden, der viel im Stillen für unsere Pfarrei tut – und es verdient, einmal ins Rampenlicht zu treten? Dann schreiben Sie uns! Wir freuen uns über Ihre Hinweise für die nächste Folge von „Gesichter der Pfarrei“. Kontaktieren Sie uns gerne per Mail an m.schenkelberg@pfarrei-st-anna.de 

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